17.05.2012 - 08:05 Uhr | Quelle: fH | Autor: Uwe Wetzner | Seite: 1

Als der SC Poppenbüttel einmal Drittligist war

- fH-Rückpass: Fußball und Bier verbindet eine mehr als 150-jährige, gemeinsame Kulturgeschichte. Aber das nur nebenbei. „Der gelernte Gastwirt, oft überschäumend wie das Bier aus einem frisch angesteckten Fass, das er in seiner Gastwirtschaft in Eimsbüttel so trefflich zu schenken versteht, will alles tun, als Zweiter hinter Victoria das Rennen zu beenden.“ Nein, der „Sport“ hatte sich im März 1974 nicht im Dschungel kulturtheoretischer Erklärungsansätze verirrt, sondern nur versucht, das Dickicht einer rätselhaften Entscheidung etwas zu lichten.

Großartige Ereignisse kündigten sich an in diesem Sommer, nicht nur in Gestalt der nahenden Fußball-Weltmeisterschaft an. Vier Spieltage vor Saisonschluss hatte sich der SC Victoria nach einer Serie von 17 Siegen mit einem 1:1 bei Curslack-Neuengamme vorzeitig die hamburgische Meisterschaft gesichert. Dahinter balgten sich sechs Anwärter um zwei Plätze, die zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde der gemeinsam mit der 2.Bundesliga neu eingeführten Amateur-Oberliga Nord berechtigten.

Einer von ihnen war der SC Poppenbüttel. Noch in der Vorwoche hatte der damals unter „Hamburger Vorstädter“ laufende Klub einem seiner direkten Konkurrenten Altona 93 mit 4:1 einen lähmenden Tritt in die Kniekehle verpasst und nun mit einem 1:1 gegen den abstiegsbedrohten SC Langenhorn alles das, was er sich mit den Füßen aufgebaut hatte, mit dem Arsch weitgehend wieder eingerissen.

Karl-Heinz „Kalle“ Stark war nicht nur ein des Öfteren überschäumender Gastwirt, er war auch Trainer des SC Poppenbüttel. In sportlichen Dingen leicht erregbar, war ihm nach der Beinahe-Pleite gegen den Abstiegskandidaten derart die Galle übergelaufen, dass er die gerade unter Dach und Fach gebrachte Vertragsverlängerung für die kommende Saison spontan widerrief. Nach diesem Spiel habe er, der „ein lieber, guter Kerl“ sei, „die Fehler nur bei anderen gesucht und nach einer Unterredung mit einigen Spielern so reagiert, wie er es nicht hätte tun sollen.“ Soweit Poppenbüttels Liga-Obmann Edgar Meyer.

Ob gewollt oder nicht, die psychologische Keule des Trainers wirkte, der SC Poppenbüttel, 1970 erstmals in Hamburgs höchste Spielklasse aufgestiegen, wurde doch noch Zweiter vor der Spielvereinigung Blankenese. 471 zahlende Zuschauer bejubelten auf der Bültenkoppel den direkt verwandelten 20-Meter-Freistoß ihres Torjägers Mentzel, der mit seinem 15. Saisontreffer am letzten Spieltag das entscheidende 1:0 gegen den SC Sperber sicherte.

Aus der „Hochbahnliga“, deren Austragungsorte sämtlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln angefahren werden konnten, in die Fernzugliga, die viel Geld und einen kompletten Sonntag kostete – diese Aussicht weckte nicht bei allen Beteiligten entzückte Erwartungen. Ein Hoffnungsschimmer, das Ganze noch verhindern zu können, blieb immerhin noch in Gestalt der Aufstiegsrunde. In der Gruppe A hatten es die Poppenbüttler mit Hannover 96 (A), dem Bremer SV, dem VfB Lübeck und der SV Blankenese zu tun, in der Gruppe B waren der Itzehoer SV, der TSV Büdelsdorf, der VfR Neumünster und Regionalliga-Absteiger VfL Pinneberg versammelt.
... um weiter zu lesen, auf die nächste Seite blättern
1 2 3