21.02.2012 - 09:38 Uhr | Quelle: fH | Autor: Uwe Wetzner | Seite: 1

Als Herr Einstein im November 1949 in die Fußball-Geschichte eingriff

- fH-Rückpass: Ein historisches Derby zwischen Altona 93 und Union 03 gerät aus dem Ruder. „Ein Mann griff durch.“ Nein, es war keineswegs der Filmtitel der ursprünglichen Version von „Ein Mann sieht rot“, der am 17.November 1949 die Schlagzeilen im „Sport“ beherrschte. Der Angesprochene hörte auf den friedfertigen Namen Einstein. Nun handelte es sich auch nicht um einen durchgeknallten theoretischen Physiker, der bei der Diskussion über seine Theorien mit handfesten Mitteln zu überzeugen versucht hatte. Herr Einstein war einfach nur ein Schiedsrichter von Hansa 05, der die, wie sich herausstellen sollte, heikle Aufgabe übertragen bekommen hatte, den „Altonaer Rivalenkampf“ zwischen Altona 93 und Union 03 zu leiten.

Die beiden Traditionsklubs kämpften zwei Jahre nach Einführung der Oberliga 1947 in der Elbe-Staffel der Amateurliga um den Aufstieg ins norddeutsche Fußball-Oberhaus. „Ein Treffen Altona – Union gehört schon aus Tradition zu den zugkräftigsten Ereignissen Groß-Hamburgs“, hatte „Turnen, Spiel und Sport“ schon 1925 bekräftigt.

1905 war Union 03 nach seiner Aufnahme in den Hamburg-Altonaer Fußball-Bund und einem Qualifikationsspiel sogleich in die acht Klubs umfassende A-Klasse eingruppiert worden. Seitdem konnten der Platzhirsch AFC und der Jungbulle in aller Ruhe ihre Rivalität pflegen. Ein sportliches Fundament hatte sie zunächst nicht, denn im Deutschen Reich reichten die „Jonier“ bei weitem nicht an die Qualität des AFC heran.

Erst während der Zeit der Weimarer Republik glich sich das Niveau weitgehend an. Zwischen 1922 und 1927 veranstalteten die beiden Rivalen ein reges „Bäumchen-Wechsel-Dich-Spielchen“ an der Spitze des Elbekreises der Norddeutschen Liga. In den 1920er Jahren machte Union 03 unter seinem ungarischen Coach Gyula Kertesz nicht nur in Hamburg Schlagzeilen. Er führte nicht nur regelmäßiges Training ein, sondern holte auch ausländische „Stars“ wie seine beiden Landsleute Ferenc Hires-Hirzer oder den Torhüter Elemér Müller an den Kreuzweg und organisierte vielbeachtete internationale Freundschaftsspiele mit mehreren Tausend Zuschauern im damaligen Union-Stadion, dort, wo heute am Kaltenkircher Platz das große Postgebäude steht.

Der Abstieg Unions aus der Gauliga 1936 hatte dann die Zeit der Duelle auf Augenhöhe vorerst Geschichte werden lassen. Erst mit der Wiederaufnahme eines geregelten Spielbetriebs in der Stadtliga im Sommer 1946 waren die beiden „feindlichen Brüder“ erneut in einer Spielklasse vereint. Nach Einführung der Oberliga Nord 1947 rutschen beide Klubs jedoch in die Zweitklassigkeit.
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