12.12.2017 - 12:06 Uhr | Quelle: tm.de | Autor: MSo | Seite: 1

Dassendorf-Kapitän Aust im Interview: Einladung zum Nationalteam landete zuerst im Spam-Ordner

- Mit Mitte 20 als Oberliga-Kicker noch zum Nationalspieler werden? Für Defensiv-Allrounder Amando Aust (Foto) wurde dieser Traum Anfang 2017 Wirklichkeit. Der 27-Jährige, der beim Oberliga-Tabellenführer TuS Dassendorf aktiv ist, wurde vom gambischen Fußball-Verband eingeladen und kam seitdem schon zweimal zum Einsatz. Im exklusiven Interview spricht Aust über die kuriosen Umstände der Einladung, sowie Oberliga-Serienmeister Dassendorf, der trotz drückender Überlegenheit erneut nicht aufsteigen möchte.

fussballHamburg: Amando, gegenüber dem „NDR“ erwähntest du kürzlich, ein Scout der Nationalmannschaft Gambias sei via Transfermarkt auf dich aufmerksam geworden. Seit März kamst du nun schon zweimal zum Einsatz – wie genau kam es dazu?
Amando Aust: Der Ablauf war relativ witzig. Ich hatte schon damals in Kiel (Aust spielte von 2011 bis 2013 für Holstein; Anm. d. Red.) erstmals Kontakt zu einem Scout. Nach meinem Wechsel und einigen Verletzungen haben wir diesen aber wieder verloren. Ich hatte das Thema eigentlich schon abgehakt, da es ligatechnisch bergab ging. Aber im März wurde ich ganz hektisch darauf aufmerksam gemacht, dass eine E-Mail für mich an den Verein gesendet wurde – direkt vom Verband. Die Mail ist erst ein wenig untergangen. Dann hat es sich herausgestellt, dass es doch kein Spam war (lacht). Und an einem Mittwoch habe ich dann die Aufforderung bekommen, bitte am nächsten Montag nach Marokko zu fliegen.

fH: Das klingt erst einmal kurzfristig.
Aust: Definitiv! Mit dem Scout habe ich vorher telefoniert und ihn gefragt, wie sie denn ausgerechnet jetzt auf mich kommen. Denn sportlich ist es ja nicht die anspruchsvollste Liga, die es gibt. Er sagte, er habe bei Transfermarkt durch die Ligen gescrollt und nach der gambischen Flagge in den Spielerprofilen gesucht. Ich bin mir gar nicht sicher, wer die da eingestellt hat – wahrscheinlich mein alter Berater. Den Hintergedanken hatten wir gar nicht. Das war einem Zeitungsbericht geschuldet, in dem über meine Wurzeln geschrieben wurde. Von daher eine glückliche Fügung. Auf jeden Fall eine lustige Anekdote. So viele Zufälle, die da ineinander spielen. Unglaublich.

fH: Wie hast du die Nachricht aufgenommen? Die Überraschung war sicherlich riesig.
Aust: Ja, total. Ich war ein bisschen geplättet und dachte zunächst, ob die mich linken wollen. Ich habe aber relativ schnell gesehen, dass auch zwei andere Jungs, Bibie Njie vom HSV und Baboucarr Gaye von Arminia Bielefeld, angeschrieben wurden. Wir haben uns vernetzt und beide meinten, dass es ihre erste Einladung sei. Wir haben uns alle gefragt, ob das mit rechten Dingen zugeht. Wir hatten auch noch keine Tickets, sondern nur die Ansage, bitte da zu sein. Samstagabend kamen die aber und ab dem Zeitpunkt war es für mich offiziell.


fH: Wie lässt sich der Nationalmannschafts-Fußball mit dem Spielbetrieb in der Oberliga in Einklang bringen? In den Länderspielpausen gibt es im Amateurbereich ja trotzdem Liga- oder Pokalspiele.
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