12.12.2017 - 12:06 Uhr | Quelle: tm.de | Autor: MSo | Seite: 2

Dassendorf-Kapitän Aust im Interview: Einladung zum Nationalteam landete zuerst im Spam-Ordner

- Aust: Das funktioniert genau gar nicht (schmunzelt). Der Verband stellt sich quer und sagt: „Für solche Länderspiele wollen wir nichts verlegen“. Es ging im März für uns gegen Victoria (2:2), die sogar bereit waren, an einem anderen Termin zu spielen. Der Verband wollte das aber nicht. Zum Vergleich: Bei Futsal-Partien wird es erlaubt, aber bei einem offiziellen Länderspiel aus dem FIFA-Kalender nicht. Jetzt im November haben wir die Verlegung gar nicht erst beantragt, da wir in der Liga im Fluss sind, es sehr gut läuft und um einem Streit mit dem Verband zu entgehen. Die Trainer sind sehr verständnisvoll und die Jungs aus der Mannschaft wünschen mir ebenso alles Gute, von daher entsteht sicher kein böses Blut.

fH: Du studierst Volkswirtschaft in Hamburg – das spielt in der Planung für die Nationalmannschaftsspiele ja auch eine Rolle.
Aust: Klar! Durch das Fußball-Spielen zieht sich das natürlich. Ich habe in Kiel angefangen, als diese Holstein-Geschichte aufkam. Dort wurde zweimal täglich trainiert, aber so eine Chance lehnt man nicht ab. Mit Anfang 20 darf man ja noch träumen (lacht). Dann stellt man sich die Frage: Weiter Regionalliga spielen? Dafür bin ich letztlich 2014 nach Neustrelitz gezogen. In Hamburg habe ich das Studium aber richtig angefangen und schreibe im Frühjahr meine Abschlussarbeit. Ich habe deutlich länger gebraucht, als gedacht. Aber die Gründe kann ich, denke ich, jedem plausibel erklären.

fH: Kommen wir auf deine Klubkarriere zu sprechen: Du spielst seit 2015 für „Dasse“, oft Bayern München der Oberliga Hamburg genannt. Aus strukturellen Gründen ist ein Aufstieg vom Verein immer ausgeschlossen worden – obwohl der Klub Abo-Meister ist. Ärgert einen das nicht?
Aust: Das wird von Anfang an fair kommuniziert. Und so gibt es auch keinen Einbruch, weil die Spieler unzufrieden sind. Wenn man herkommen möchte, weiß man, dass um die Oberliga-Meisterschaft und den Pokalsieg gespielt wird, aber nicht um den Aufstieg. Deswegen bin ich weder enttäuscht, noch denke ich: „Wir sollten es mal versuchen.“ Das klingt vielleicht blöd, aber die Regionalliga macht es einem schon schwer.

fH: Wie meinst du das?
Aust: Das Niveau ist natürlich höher, aber der Aufwand, den man betreiben muss, steht fast in keinem Verhältnis. Es muss sich ja rentieren. Ich kenne einige Spieler, die jedes Jahr quer durch die Republik und die Regionalligen wechseln. Dafür finde ich persönlich das zu doll. Meistens kommt nicht genug rum, als dass man sagen könnte: „Ich lege richtig Kohle auf die Seite.“ Deswegen bin ich mit der Liga nicht mehr so warm, als dass ich denken würde, ich bräuchte das unbedingt noch mal.

fH: Werden im Verein generell Schritte unternommen, vielleicht doch mal den Aufstieg angehen zu können?
Aust: In naher Zukunft glaube ich nicht, dass das passiert. Es wird sicher geschaut, dass um den Platz herum ein paar Sitzschalen aufgebaut werden oder dass man einen neueren Kabinentrakt bekommt. Die Infrastruktur wird peu à peu verbessert. Aber für viele Sponsoren ist die Regionalliga immer noch eine Geldverbrennungsmaschine. Hinzu kommt die Belastung für die Gemeinde. Wenn dann ist die 4. Liga ein Sprungbrett für den Profi-Fußball. Aber um in die 3.Liga zu kommen, müsste man alles ausgraben und neu machen. Da ist, zumindest für mich, die Perspektive nicht zu sehen. Aber wer weiß, was in 5 bis 6 Jahren passiert.

fH: Also hegst du auch keine Ambitionen mehr, vielleicht noch mal Richtung 3.Liga zu schielen?
... um weiter zu lesen, auf die nächste Seite blättern
Zurück 1 2 3