27.01.2012 - 09:25 Uhr | Quelle: fH | Autor: PM | Seite: 1

Obaidullah Karimi – Auf dem Boden geblieben

- Obaidullah Karimi ist im Hamburger Amateurbereich ein bekannter Spieler und irgendwie auch ein bunter Hund. Nicht nur durch seine vielen Spielstationen, die er schon hinter sich hat. Jeder kennt ihn, und man kann seinen Spitznamen sofort zuordnen: „Obi“ wird er genannt. Obi ist freundlich, höflich und respektiert sein Umfeld. Hinzu kommt noch eine große Besonderheit: In Afghanistan wird er als Held gefeiert. Dort spielte Karimi 15-mal für die Nationalmannschaft. Er schoss das erste Tor für sein Land während der WM-Qualifikation 2010 gegen Syrien. Heute kickt Obi in der Landesliga Hansa. Barmbek-Uhlenhorst ist sein aktuelles Team. Gerne erinnert er sich an die Zeiten zurück, als er vor 65.000 Menschen im Stadion spielte. Aber auch durch sein Leben in Deutschland, durfte er viele und schöne Erinnerungen sammeln. Eintracht Norderstedt, der HSV und Altona 93 sind nur einige von vielen.

Ich treffe mich mit Obi in seiner Wohnung. Es ist ein Altbau mit ziemlich hohen Decken. Obi öffnet mir die Türe und begrüßt mich sehr herzlich. Ich trete ein und lege meine Jacke ab. Obi ist sommerlich gekleidet: T-Shirt mit V-Ausschnitt, darunter eine Halskette, Jeans und auf nackten Füßen tapst er durch die Wohnung. Irgendwie liegt noch ein bisschen Weihnachten in der Luft. Kerzen brennen und auf dem Fenstersims stehen indische Skulpturen. Obi bietet mir Wasser an. Ich setze mich auf das rote Sofa im Wohnzimmer, während im Hintergrund Musik aus Ibiza läuft. Die beliebte und entspannte Housemusik aus dem bekannten „Cafe del Mar“ hört er rauf und runter. Der 32-Jährige ist großer Fan von der Partyinsel, das sagt er mir sofort, und ich erkenne dabei ein kleines Funkeln in seinen Augen. Obaidullah setzt sich ebenfalls auf das Sofa, und wir kommen sofort ins Gespräch.

„Ich bin in Kabul aufgewachsen und lebte später auch für kurze Zeit in Japan und Indien“, fängt Obi direkt an zu erzählen. Er war ungefähr zehn Jahre alt, als er mit seiner Mutter nach Deutschland kam. Bis dahin wusste er noch nicht mal, wie ein Ball aussah. Hinzu kam noch, dass er die deutsche Sprache überhaupt nicht beherrschte. Obi war anfangs ein krasser Außenseiter. „Woher sollte ich wissen, was ein Ball überhaupt ist? Ich sah die anderen Jungs immer auf dem Spielplatz kicken und irgendwann durfte ich auch mal ran. Ich wurde anfangs immer ausgelacht, weil ich überhaupt nicht spielen konnte“, so Obi mit einem herzlichen Lachen dabei. Sein Vorteil allerdings war seine Schnelligkeit. Schon bei den Bundesjugendspielen in der Schule merkte der Lehrer, dass Obi ziemlich laufstark war. Schließlich wurde ihm plump, aber einleuchtend gesagt, dass er schnell sei und das Runde ins Eckige schießen müsse.

Vom Außenseiter zum Oberligisten
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